Winter-Komet C/2022 E3 (ZTF)

Besucher aus (der) Eis(zeit)

Alles Wissenswerte über den grünen Gast am Himmel

  • Wann, wo und wie kann man C/2022 E3 (ZTF) beobachten?
  • Warum der komische Name?
  • Warum leuchtet der Komet grün?

Der Komet ist im März 2023 hierzulande leider nicht mehr sichtbar! Gleich vorab: E3 ist alles andere als ein Jahrhundertkomet und kommt auch bei weitem nicht an NEOWISE aus dem Sommer 2020 heran.  Voraussichtlich wird immer mindestens ein Fernglas erforderlich sein. Und so schön es auch immer ist, einen Kometen zu sehen, kann man getrost sein, dass vergleichbare Kometen alle paar Jahre auftauchen.

             Viel Spaß bei der Kometen-Jagd!

 

Foto: Franz Xaver Kühnel (Fotogruppe der Volkssternwarte) am 14.1.23
Position am 14.+15. Februar

Letzte gute Sichtbarkeit: am 15.2. bei Aldebaran

Ein Fernglas (z.B. 10 x 50) ist mindestens notwendig, um den inzwischen schon recht schwachen Kometen noch zu sehen, der nun weiter südwärts wandert und dabei immer schwächer wird. Die letzte Gelegenheit, E3 noch einmal zu sehen, besteht also jetzt, Mitte Februar, an den zumal mondlosen Abenden.

Für eine allgemeine Himmelsorientierung s. https://stellarium-web.org/


Rückblick: die letzten Tage…

Freitagnacht (10.2.) bei Mars!

Nutzen Sie die klare Nacht und das leichte Auffinden! Ein 10 x 50 Fernglas ist ausreichend. Mars und der Komet sind im gleichen Gesichtsfeld zu sehen!

 

Samstagnacht 11.2.: 

Montag, 13. Februar, Kurs Aldebaran: 

Für den allgemeinen Himmelsüberblick s. https://stellarium-web.org/ 

Für weitere Infos zur Bahn des Kometen s. unten: https://sternwarte-muenchen.de/winter-komet-c-2022-e3-ztf/?target=e3wannwo


Das Flugzeug hat es geschafft, genau zwischen Mars und dem Kometen hindurchzufliegen – eine fliegerische Meisterleistung 😉

Aktuelle Bilder

Aktuelle Bilder von unseren Vereinsmitgliedern

(c) Bernd Gährken, 30.1.2023, 4 Uhr


(c) S. Deiries, 30.1.2023, 1 Uhr.

aufgenommen am 05.02.2023 an der Hans-Eggendinger-Sternwarte Pellhausen (S. Deiries). In memoriam Sumo 1939-2021.


Aktuelle Detailaufnahme vom 30.1.23 (noch unfertig bearbeitet) von Norbert Heininger.

Übrigens: Das Bild in der Tagesschau vom 31.1. (s. unten bei Medienberichten), das keinen Namen und keine Quellenangabe trug, war auch von unserem Mitglied Norbert Heininger:

Wann, wo und wie kann ich E3 beobachten?

Nächste Haltestellen: Capella, Mars und Aldebaran

+++ 05. Februar: Capella +++ 11. Februar: Mars +++ 14. Februar: Aldebaran +++

Am 01. Februar ist Komet C/2022 E3 an der Erde in gut hundertfacher Mondentfernung vorbeigerauscht. Oder anders gesagt: so nah kommt der Erde sonst die Venus bei ihrer unteren Konjunktion, d.h. wenn sie die Erde auf der Innenbahn überholt: etwas über 40 Mio. km. Oder noch anders: Knapp ein Drittel der Entfernung von der Erde zur Sonne.

Am 29. Januar stand der Komet genau auf der Linie Merak-Dubhe-Polaris: bekannt als Aufsuchhilfe für den Polarstern, wenn man die beiden äußeren Kastensterne des Großen Wagens fünfmal nach oben verlängert. An dem Abend war es sogar klar und der Komet konnte leicht im Feldstecher gefunden werden!

War es das oder kommt noch was?

Glücklicherweise gibt es in den kommenden Tagen noch drei markante Begegnungen des Kometen mit hellen anderen Himmelslichtern, was vom Aufsuchen her eine große Hilfe darstellen wird. Allerdings entfernt sich der Komet seit 1.2. wieder von der Erde, und schon seit 12.1. von der Sonne – wird also immer schwächer. Ein Feldstecher (mind. 8 x 25 o.ä., besser 10 x 50) wird unverzichtbar sein! Zumal am 5.2. der Vollmond ganz in der Nähe des Kometen blendet.

Am Abend des 05. Februar passiert E3 den überaus hellen und auffälligen Stern Capella im Sternbild Fuhrmann ganz nah. Capella ist einer der drei hellsten Sterne des Nordhimmels überhaupt (neben Wega und Arktur) und gehört zur 0.ten Größenklasse. Heller ist unter den Fixsternen am Nordhimmel nur noch der Sirius im Großen Hund. Zudem steht Capella maximal hoch am Himmel, fast im Zenit, d.h. senkrecht über einem, an der oberen Spitze des sog. Wintersechsecks.

Hier der Himmelsanblick am 5.2.23 abends um 22 Uhr. E3 ist gleich rechts oberhalb von Capella (oberster heller Stern).
Hier noch einmal der gleiche Anblick mit eingetragenen Sternbildfiguren:

Und hier näher herangezoomt, damit Sie von Capella ausgehend den Kometen – hoffentlich trotz des hellen Vollmonds – blass erahnen können:

Wie Sie sehen, steht E3 hier um 22 Uhr ziemlich genau in gerader Verlängerung hinter dem nächsthellen Stern in der Umgebung Capellas, ein Stern 6. Größenklasse, also etwa so hell wie der Komet selbst (welcher allerdings ein diffuses Erscheinungsbild hat und daher schwieriger zu sehen ist; am besten, wenn Sie etwas indirekt schauen bzw. den Blick, passend zum Kometen, schweifen lassen. Die grüne Farbe oder gar einen Schweif wird man mit kleinen Optiken zumal bei dem Mondlicht allerdings kaum erkennen können. Dafür lässt sich anhand der Linie Capella- kleiner Stern (er heißt SAO 40077) die Bewegung des Kometen schon im Viertel- bis Halbstundentakt deutlich wahrnehmen!


Am frühen Abend des 11. Februar steht E3 nahe beim immer noch hell rot leuchtenden Planeten Mars im Stier:

Drei Tage später, am 14. Februar, gibt es noch eine letzte auffällige Passage an Aldebaran vorbei, dem rötlichen Hauptstern des Stiers (Auge des Stiers):

Danach verblasst der Komet immer weiter und verschwindet gen Süden. Die Periode der Fernglas-Sichtbarkeit von uns aus geht zu Ende.

Wir hoffen, dass das Wetter zu einem der genannten Daten oder überhaupt bis Mitte Februar noch einmal ein paar schöne Einblicke erlaubt und wünschen viel Spaß und Erfolg bei der Kometen-Jagd!

Alle Grafiken mit Stellarium erstellt.


Auch die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) e.V. stellt eine Informationsseite mitsamt Aufsuchkarten zur Verfügung:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von sternfreunde.de zu laden.

Inhalt laden

Dort findet sich auch die schöne Aufsuchkarte. Die Zahlen bezeichnen die Position des Kometen für die entsprechenden Daten im Januar (rechte Bildhälfte) bzw. Februar (linke Bildhälfte), jeweils um Mitternacht.

VdS-Übersichtskarte zu Komet E3


Eingetragen ist die jeweils aktuelle Position von E3 z.B. auch in der Web-Version der freien Planetariumssoftware Stellarium:

Englischsprachige mit interaktiven Aufsuchkarten sind z.B.:

 

Komet an der Volkssternwarte oder von zu Hause?

„Münchner Sternstunden“ bereits Wochen im Voraus ausverkauft!

Die Volkssternwarte München bietet jeden Abend von Montag bis Freitag um 20 Uhr die weithin bekannte und beliebte

Abendführung „Münchner Sternstunden“

an. Diese ist bereits bis Ende Februar ausverkauft – also während der besten Sichtbarkeit des Kometen!
(Freie Termine s. hier: https://pretix.eu/volkssternwarte/must-2023/?date=2023-02 )

 

Welche Möglichkeiten bleiben?

Teleskop-Tickets: kurzfristig / spontan bei klarem Himmel, Verfügbarkeit jeweils auf Anfrage.
Ggf. hier öfter Nachschauen.

⇒ von zu Hause oder unterwegs: Fernglas, Aufsuchkarte, klarer, dunkler Himmel und etwas Geduld beim Suchen und keine allzugroßen Erwartungen — dann könnte es auch so klappen!

⇒ evtl. Online-Sternstunde per Livestream anschauen: falls eine geplant ist, geben wir das hier und im Newsletter bekannt.

 

 

 

Gestatten: C/2022 E3 (ZTF)

„Nam‘ und Art“

Name und Farbe des lohend-grünen Vagabunden stellen sich vielleicht zunächst rätselvoll dar.  Warum so giftgrün & unaussprechlich?

C/2022 E3 (ZTF) – wirkt kompliziert, ist aber ganz einfach. C steht für einen langperiodischen Kometen mit einer Umlaufzeit von über 200 Jahren. Bei E3 sind es wohl um die 50.000 Jahre. Zuletzt war er in der Eiszeit hier, noch vor den Cro-Magnon-Menschen, dafür mit Neandertalern. 2o22 E steht für die erste Märzhälfte im Jahr 2022. E3 besagt, dass es der dritte in diesem Zeitraum entdeckte Komet war. Und ZTF verweist auf die Zwicky Transient Facility — also das Entdecker-Teleskop, das hier, wie bei den meisten neueren Kometen-Entdeckungen zu einem automatisierten Himmels-Durchmusterungsprogramm gehört, wo der gesamte Himmel in wenigen Tagen gescannt wird auf alles, was sich bewegt oder die Helligkeit ändert.

Das Grün der Koma (Kometenkopf) stammt von C2-Molekülen, die unter Einwirkung der UV-Strahlung der Sonne entstehen und zum Leuchten angeregt werden.

 


 

Bahn und Position des Kometen zum Zeitpunkt der größten Erdnähe (1.2.23):

Deutlich erkennbar, wie der Komet fast über den Nordpol hinwegzieht (in der Nähe des Polarsterns vorbeizieht) und sich dann auf die Nachtseite der Erde, mitten in die Wintersternbilder hinein begibt (am 5./6.2. zieht er an Capella vorbei, am 11.2. an Mars und am 14.2. an Aldebaran).

Der Komet in den Medien

Aktuelle Berichte

In den Medien ist der Komet derzeit besser sichtbar als am Himmel (aufgrund des schlechten Wetters). Folgende Berichte entstanden mit Beiträgen aus der Volkssternwarte: namentlich mit Jana Steuer im Interview und Bildern von Peter Waldeck und Norbert Heininger aus der Foto-AG.